Besichtigung des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof
von Melanie H. und Julia B.

Aufgrund unseres Geschichtsthemas (2. Weltkrieg und Judenverfolgung) besuchten wir, die Klassen 10b und 10d, in Begleitung der
Lehrer/innen Frau Plate, Frau Renner und Herr Stölzle, am 28.11.02, das Konzentrationslager Natzweiler Struthof.

Natzweiler-Struthof. Schon viel haben wir über Konzentrationslager gehört und gelesen. Doch nie hätten wir einen solch tristen Ort voller Düsternis und deprimierender Atmosphäre erwartet.


Dunkel und wolkenverhangen zeigt sich der Himmel, als wir durch das eisenbeschlagene Tor treten und ein Schleier von leiser Panik und Angst uns umhüllt.

                                                                                                         

 Starr blicken wir auf das Gelände vor unseren Augen. Es herrscht eine merkwürdige Stille.

Hier sollen tausende Menschen Hunger, Angst und bittere Kälte erlitten haben, gequält und getötet worden sein? Dieser Ort soll einst Schauplatz des schlimmsten Verbrechens Deutschlands gewesen sein?

Mit viel Feingefühl und Hintergrundwissen versucht unser Leiter, Jürgen Ziegler, uns den tristen Alltag dieser Menschen nahe zu bringen.

Einst mussten die Insassen ihre traurige Zukunft selbst erbauen, in ständiger Begleitung der peinigenden Rufe der Wächter. Praktisch und sorgfältig durchdacht musste das Lager aufgebaut sein, das stand fest. Und gut überschaubar, dass den wachsamen Augen der Wärter auch kein Augenblick entging, der ihnen Anlass zu neuen Demütigungen gab.

Die Wahl der SS-Männer fiel auf ein terrassenförmig aufgebautes Lager. Rechts und links je ein Lager für die Insassen, in der Mitte ein breiter Durchgang und am Ende des riesigen, von elektrisch geladenem Stacheldrahtzaun umgebenen Gelände: Das Krematorium.

Herr Ziegler führt uns in die Lager der Häftlinge, zeigt uns die Holzpritschen, in die sich die Menschen zwängten. Viel zu wenig Platz für den Einzelnen. Kälte, Schmerzen und ein ständiger Kampf um ein bisschen Stroh oder einen Zipfel Decke, um die Nacht zu überstehen.

Er zeigt uns die Erschießungsräume, die Folterzellen, in denen ich noch die Schreie zu hören glaube.

 

Welch eine unvorstellbare Angst muss diese Menschen Tag um Tag begleitet haben. Diese schreckliche Angst, am nächsten Tag nicht mehr zu erwachen.

Oder die Angst doch zu erwachen? Zu erwachen und von neuem Demütigung, Schmerz und Hass zu erfahren?

Anschließend führt uns Herr Ziegler in das Krematorium, indem der Verbrennungsofen steht. Dort wurden die Leichen verbrannt, um das grausame Verbrechen zu vertuschen. Wir sind erschüttert und fassungslos, als wir hören, dass mit diesem Verbrennungsofen von Menschen Wasser gewärmt wurde und die Asche, die übrig blieb an die Angehörigen für viel Geld verkauft wurde.

Doch noch ergreifender ist der Raum, in dem grausame, unfassbare Versuche an unschuldigen Menschen durchgeführt wurden.

Dies ist für viele von uns, die ergreifenste Situation in der fast allen die Worte fehlen, mit welch Skrupellosigkeit Menschen ihresgleichen zurichten können.

  Danach betrachten wir mitfühlend die Gedenkstätte. Jedes Jahr kommen ehemalige KZ-Häftlinge an diese Stelle, legen Blumen nieder und sind dankbar, das Konzentrationslager lebend verlassen zu haben.

Später besuchen wir noch das Museum, in dem viele Bilder aushängen, die viele der geschehenen Grausamkeiten festhalten.

Wir sind froh, als wir wieder durch das eiserne Tor nach draußen in die Freiheit treten, denn für ein paar Stunden fühlten auch wir uns gefangen an diesem Ort.

  Zum Gedenken und zum Ausdruck unserer Betroffenheit, bringen wir noch Kerzen zu dem großen Mahnmal außerhalb des KZ`s.

Wir fühlen uns nicht schuldig, für dass, was damals geschah, doch wir sollten dieses Geschehen niemals in Vergessenheit geraten lassen