An die Redaktion des Argentinischen Tageblattes 
Buenos Aires
         

                                                                           Waibstadt, den 14.01.2001

Sehr geehrten Damen und Herren,

durch Zufall gelangten wir an einen Zeitungsartikel über Hermann und Felix Weil mit
dem Titel „Vergessen in Argentinien und Deutschland“, der am 29. April 1989 in Ihrer
Zeitung erschienen ist.

Unsere Realschule hat sich vorgenommen, einen Beitrag gegen das

Vergessen zu erbringen. Dies ganz besonders deshalb, weil wir uns hier in
Waibstadt mit der Geschichte der Familie Weil verbunden fühlen, da am
Stadtrand von Waibstadt das Weil-Mausoleum steht. Zusammen mit dem
Gymnasium Neckarbischofsheim übernahmen wir eine Patenschaft zur
Pflege des Mausoleums. Außerdem tragen wir Informationen zur erloschenen
jüdischen Kultur in unserem Raum zusammen und veröffentlichen sie im Internet.
So auch über die Familie Weil und Ihren Zeitungsbericht:
http://www.rsw.hd.bw.schule.de/shal/people/weil0.htm

Eine Schülergruppe, die an dem Projekt „Judentum im Kraichgau“ arbeitet,
verfasste folgendes Schreiben und wir würden uns freuen, wenn Sie über
unsere Aktivitäten und Ziele in Ihrer Zeitung berichten könnten.

Mit vielen Grüßen

S.. Bastl, I. Köster, I. Rautnig

Lehrer an der Realschule Waibstadt

 

 

Zeitzeugen aus dem Kraichgau gesucht!

In unserer Gemeinde befindet sich ein besonderer Ort der
Ruhe und des Friedens, der im Wald verborgen liegt. Hier
begegnet man jüdischen Grabstätten aus vergangenen
Jahrhunderten. Dieser Ort des Zaubers regte uns zu der
Fragestellung an: Was geschah mit den Jüdinnen und Juden
während der Zeit des Nationalsozialismus in unserer
Region?

In einer Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus 6 Schülerinnen
und Schülern (14-16 Jahre alt), beschäftigten wir uns mit
der Reichspogromnacht (9.November 1938). Bisher
bereiteten wir eine Ausstellung zu genannter
Reichspogromnacht vor, durch die wir jüngere
Schülerinnen und Schüler führten. Des weiteren führten
wir eine Gedenkveranstaltung am Mausoleum neben dem
Judenfriedhof in Waibstadt durch. Vor dieser
Veranstaltung reinigten Schülerinnen und Schüler unserer
Schule das Mausoleum, das der jüdische Fabrikant
Hermann Weil errichten ließ. Wir luden den jüdischen
Zeitzeugen „Herman Zimmerman“ ein, der uns von seiner
Flucht aus Deutschland berichtete.

Im Internet finden sich zu unserem Projekt Webseiten
(http://www.rsw.hd.bw.schule.de/shal/sha0.htm)

Als nächstes wollen wir eine jüdische Zeitzeugin aus der
Region interviewen. Wir werden dieses Interview mit einer
Videokamera aufnehmen, da es uns sehr wichtig erscheint,
diese Erinnerungen und Erfahrungen zu bewahren und für
die Nachwelt zugänglich zu machen. Da wir ein sehr
großes Interesse an dieser Zeit haben und kaum Zeitzeugen
aus der Region finden, suchen wir Menschen, die in der
Zeit vor 1940 im Raum Waibstadt, Neckarbischofsheim,
Sinsheim; Neidenstein usw. gelebt haben. Über Briefe (Realschule Waibstadt z.Hd. von I. Köster)
Friedrich Ebert
Str. 18, 74915 Waibstadt) E-mails sbastl@web.de. von
Ihnen würden wir uns sehr freuen.

Mit vielen Grüßen
Projektgruppe "Judentum im Kraichgau"