Projekttitel:
Zeugnisse vergangener jüdischer Kultur in der Brunnenregion
suchen, finden, bewahre
n

Unterrichtsfächer: Religion; Deutsch, Geschichte, Technik, Musik, Bildende Kunst,
EWG (Erdkunde, Wirtschaft, Gemeinschaftskunde), WVR (Wirtschaften, Verwalten, Recht)

Lerngruppe(n):

Es werden drei Organisationsformen entstehen:
Aktionen, die Schüler/innen aus verschiedenen Klassenstufen umfassen. (z.B. bei der
Durchführung einer Veranstaltung)

Klassenbezogene Arbeit mit Gruppenunterricht (z.B. Thema Denkmalschutz,
Holocaust, Lerngang zu den ehemaligen Synagogen Steinsfurt und Neidenstein und
zum jüdischen Friedhof Waibstadt) Teilgruppen aus einem Klassenverband bzw.
jahrgangsbezogene Gruppierungen (WVR).
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Lehrplanbezug:
Religion (Klasse 8): Judentum/Klasse 10: Religionen u. Weltanschauungen.
Geschichte: (Klassen 9/10): Auswanderung/Holocaust
Deutsch (Klassen 8 – 10): Umgang mit Texten und Medien/Präsentationen
Musik (Klasse 8-10): Musik machen. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
(Schulen)
Bildende Kunst (Klassen 8 –10): Kommunikation u. kulturelles Bewusstsein. „Durch
die Präsentation und die Inszenierung von Prozessen und Ergebnissen künstlerisch-
gestalterischen Arbeitens öffnet sich die Schule dem gesellschaftlichen Leben“
WVR (Klasse 9): Selbständige Durchführung von Projekten.
(Auszüge aus den Lehrplänen von Baden-Württemberg)
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Haben Sie Vorerfahrungen im Bereich Kulturerbe/Denkmalschutz? Gibt es
von Ihrer Seite bereits verfügbare Konzepte/Materialien zur Integration des
Themas Denkmalschutz im Unterricht?

Die Realschule Waibstadt beschäftigt sich seit 1999 mit der Spurensuche jüdischer
Vergangenheit. Die Motivation ergibt sich aus dem Vorhandensein eines bekannten
jüdischen Friedhofes und Mausoleums in Waibstadt sowie guter Kontakte zu
jüdischen Nachfahren, deren Wurzeln in Waibstadt und Steinsfurt liegen.
Es war bisher für die Schule ein wichtiges Anliegen, aus dem Unterricht heraus, einen
Bezug zu den in der Umgebung liegenden jüdischen Kulturdenkmälern herzustellen.

Es wurden Kontakte und Aktionen gestartet, so 2001 die Herstellung eines
Videofilmes über die ehemaligen jüdischen Häuser in Steinsfurt, im Jahre 2003 folgte
eine Zeitzeugenbefragung in Neidenstein mit Videoerstellung.

Neben Videofilmerstellungen und Zeitzeugenbefragungen entstanden
Dokumentationen, Familienstammbäume und Pressemitteilungen und es wurden
Gedenkveranstaltungen durchgeführt.

Dies alles erzielte in der Öffentlichkeit eine positive Wirkung.

Schüler/innen erwarben Kompetenzen in der Befragung von Zeitzeugen,
Videoerstellung, Organisation und Gestaltung von Veranstaltungen und Ausstellungen.

So entwickelte sich zunehmend eine selbstverpflichtende Tradition und Kompetenz in
der Spurensuche nach vergangener jüdischer Kultur. Dies wurde seit 2002 erweitert
durch die Kooperation mit dem Gymnasium Neckarbischofsheim und seit 2004 auch
mit dem Gymnasium in Sinsheim.
Die Realschule Waibstadt beteiligte sich im Schuljahr 2004/05 zusammen mit
dem Gymnasium Neckarbischofsheim erfolgreich im Projekt „Denkmal-aktiv“
Im Mittelpunkt der Projektarbeit stand die Rettung der ehemalige Synagoge in
Steinsfurt
.
Folgende Materialien sind aus dieser Arbeit entstanden:
Dokumentation auf den schulischen Webseiten.
Eine Ausstellung zum Ist-Zustand der Synagoge
Ein Flyer zur Synagoge Steinsfurt. Eine gemeinsame Ausstellung zur Synagoge Steinsfurt „gestern, heute
morgen“.
Ergebnisse zur Befragung Sinsheimer Bürger/innen .
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Sonstige Anmerkungen:

Der Realschule Waibstadt ist es zusammen mit den Gymnasien Neckarbischofsheim
und Sinsheim sowie der Vertreterin der Hochschule für jüdische Studien gelungen, in
einer breit angelegten  Öffentlichkeitsarbeit das Interesse für den Erhalt der
ehemaligen Synagoge in Steinsfurt zu wecken und die politischen  Gremien
vom Erhaltungs- und Nutzungs-Konzept zu überzeugen, so dass die erforderlichen
Beschlüsse (Ortschaftsrat Steinsfurt und Stadtrat Sinsheim) für  den Erwerb der
Synagoge gefallen sind (März 2005). Damit verbunden ist um eine vorbereitende
Grundlagen- u. Entwicklungsarbeit, die in Kooperation mit dem Förderverein „Alte
Synagoge Steinsfurt e.V“ und der Stadt Sinsheim ein Synagogenkonzept dahin
bringen soll, dass Schulen gemeinsam in der Synagoge oder in deren Umfeld wirken
können, um Themen zur Toleranz, zu interkulturellem und interkonfessionellem Denken
sowie Kontakte zu jüdischen Nachfahren realisieren können.

Die Zusammenarbeit zwischen den Schulen lässt sich gerade mit einer „denkmal-aktiv“-Runde“ weiter vertiefen und passt in unser Konzept, der Synagogenarbeit eine überregionale Bedeutung zu geben.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Beschreibung der Projektidee/Zielsetzung:

Das vorrangige Ziel ist die Rettung, Erhaltung und Erforschung der Synagoge Steinsfurt
Eine breit angelegte Öffentlichkeitsarbeit soll das Interesse regional und überregional für
die Synagoge Steinsfurt wecken.Damit ist gleichzeitig die Suche nach Sponsoren und
neuen Mitgliedern für den Förderverein verbunden.

Zum ersten wichtigen Schwerpunkt „Öffentlichkeitsarbeit“ gehören:
(a) Regelmäßige Berichterstattung in den regionalen Medien über die
      Sanierungsfortschritte der ehemaligen Synagoge Steinsfurt.Texte entstehen in
      Kleingruppen im Rahmen des Deutschunterrichtes und  werden abwechselnd von
      den einzelnen Schulen für die Presse bereitgestellt.
      Auch an die überregionale Presse ergehen Einladungen zwecks
      Veröffentlichungen Schüler/innen liefern Einzelbeiträge zur Berichterstattung für
       Radio- u. Fernsehen.

(b) Durchführung von Veranstaltungen an der Volkshochschule in Sinsheim in
      Zusammenarbeit mit den beiden Partnerschulen und der Hochschule für jüdische
      Studien in Heidelberg.
      z.B. wären folgende Themen möglich:
.     + Auf den Spuren der jüdischen Nachfahren:
      + Die Geschichte des Mausoleums und des jüdischen Friedhofes in Waibstadt
      +
ein von den drei Schulen musikalisch und inhaltlich vorbereiteter Themenabend
         (voraussichtlich zum Thema “Jüdische Weisheiten”) im
März 2006.

(c) Durchführung einer Gedenkveranstaltung im November 2005 (Kooperation mit den
     Partnerschulen)

(d) Durchführung eines Bücherflohmarktes zugunsten der ehemaligen Synagoge im 
     Jugendstift in Sinsheim.
Schülergruppen der Realschule arbeiten im Rahmen des
     WVR-Projektes, einer Arbeitsgemeinschaft oder stellen Präsentationen im
     Geschichts- u. Deutschunterricht her. Auch die Einbeziehung der Fächer Religion
      und Kunst ist sinnvoll.

Für die neue Projektarbeit im Schuljahr 2005/06 werden aber auch neue Akzente gebildet nämlich:
Erkundung und Erforschung der ehemaligen Synagoge Neidenstein,
Anbringung einer
Gedenkplakette in Waibstadt. Erstellung einer touristischen
 Karte „Jüdische Kulturdenkmäler in der Brunnenregion“

Das Thema vergangene jüdische Kultur im Kraichgau soll so aufbereitet werden, dass
es für eine touristische Öffentlichkeit erschlossen wird.
Es könnte eine Radwanderkarte
oder eine Autotourenkarte entwickelt werden, in deren Zentrum die Synagoge
Steinsfurt steht.
Die drei Schulen teilen sich die Aufgabe: Realschule Waibstadt
(Neidenstein und  Waibstadt), Gymnasium Neckarbischofsheim`(
Neckarbischofsheim,
Bernau, Helmhof, Untergimpern,  Obergimpern, Bad Rappenau) und Gymnasium
Sinsheim: (den städtischen Einzugsbereich).
Die Schüler/innen der drei Schulen
erproben diesen Weg im Rahmen einer Rallye oder Radtour gegen Ende des
Schuljahres 2005/06.
 
Aus der Beschäftigung mit verbliebenen Bauwerken vergangener jüdischer Kultur
ergeben sich für die
Schüler/innen der Realschule Waibstadt verschiedene
Fragestellungen zum Thema Kulturdenkmal:

In welchem Zustand, in welchen Besitzverhältnissen befinden sich die
Bauwerke?
Wie können sie restauriert und genutzt werden? Wer hat Interesse an deren Erhaltung?
+ Der Beitrag der Realschule Waibstadt wird sein, Informationen über die ehemaligen
    Synagoge in Neidenstein zu sammeln und zu veröffentlichen. Dieses Gebäude ist in
     Privatbesitz. Es war eine der größten Synagogen in Nordbaden und wurde nach
    1939 zum  Viehstall u. Scheune umgebaut.
     Beratend stehen zur Seite: Frau Dr. Graf, jüdische Hochschule, Herr  Kerner,
     Neidenstein.
Schüler/innen werden im Unterricht auf die Begehung vorbereitet und
     dokumentieren durch Bild, Text und Film ihre Recherchen.

     Sollten sich die Zugangsbedingungen für die Synagoge als zu schwierig erweisen,
      ist als Alternative die Erfassung der ehemaligen jüdischen Häuser in Neidenstein
      geplant. Dieser Ort besaß noch am Ende des 19. Jahrhunderts einen über
      30%igen jüdischen Bevölkerungsanteil. Beratend steht zur Seite der
     
Heimatkundler Herr Werner Diefenbacher und Architekt Thomas Uhl.

+ In Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde soll in Neidenstein ein
   Gedenkstein gesetzt werden zur Erinnerung an die 19 jüdischen Bürger, die nach
   Gurs deportiert wurden.

+ In Waibstadt wurde die ehemalige Synagoge abgerissen.
   Auf dem Gehweg soll eine Plakette angebracht werden, die einen Hinweis auf
   den Standort gibt. Schüler/innen organisieren die Realisierung.

Die Realisierung der Vorhaben soll in drei Phasen erfolgen.

1. Phase bis Ende November 2005:
   +Theoretische Einführung in das Thema Denkmalpflege.
     Dies wird in den 9. Klassen durchgeführt.

  
+ Erkundungsgänge zu den Baudenkmälern in Neidenstein. Bestandsaufnahme.
      Schüler/innen arbeiten im Rahmen eines WVR-Projektes oder in einer
      Arbeitsgemeinschaft an dieser Aufgabe.
   + Vorbereitung der Gedenkveranstaltung: Erstellung der Textbeiträge und Probe der
       Musikstücke) Kooperation verschiedener Teilgruppen aus den Klassen 8 – 10.
       Beteiligt sind die Fächer: Deutsch, Geschichte, Religion, Musik und Kunst.

 2. Phase bis März 2006
    + Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung bei der Volkshochschule
        Sinsheim
    + Anbringung der Plakette in Waibstadt und Gedenksteinsetzung in Neidenstein.

   
+ Verstärkte Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der Sanierung der Synagoge in
        Steinsfurt
       Schüler/innen aus 9. Klassen arbeiten im WVR-Projekt oder in einer
       Arbeitsgemeinschaft an diesen Themen. Dies schließt auch zeitlich begrenzte
       Aktivitäten aus dem Unterricht in den Fächern Deutsch, Religion, Kunst mit ein.

3. Phase: bis Juli 2006
   + Beteiligung an einer gemeinsame Herausgabe einer Broschüre, mit dem Titel: „Auf
      jüdischen Spuren – eine Reise durch den nördlichen Kraichgau“.
      Redaktionelle und gestalterische Arbeit soll in den Fächern Deutsch und Kunst in
      den Klassen 8 – 10 geleistet werden.


Die Zuordnung von Lehrkräften ist noch nicht möglich, da die Deputatsverteilung für das neue Schuljahr erst noch erfolgt.

 

Der Realschule Waibstadt übernimmt als federführende die Aufgabe,die Projektarbeit
zu koordinieren. Dazu gehört die  Einladung zu Koordinationstreffen, die Einbeziehung
der Schulleitungen. Die Durchführung von mindestens eines workshops mit
Schüler/innen der beteiligten Schulen.