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Weil-Denkmal inWaibstadt
Autor Dr. Ebert,
in Schwarzbachtalbote, Nr. 4, März 1982

zurüc

"Nach dem Volksmund und nach geschichtlichen Publikationen (zuletzt
Heinz Teichert: Zur Geschichte des jüdischen Friedhofs im
Mühlbergwald, im 'Kraichgau' Nr. 7/1981/ S 240) wurde das Denkmal
nach dem Vorbild des salomonischen Tempels vom Frankfurter
Architekten Alfred Engelhard entworfen. Dr. h.c. Hermann Weil, ein
Kaufmann aus Frankfurt, plante 1924,  für sich und seine Gattin im
Mühlbergwald von Waibstadt ein Mausoleum zu errichten.

Die Vorfahren von Dr. Weil stammten aus Sinsheim-Steinsfurt. Der
jüdische Friedhofsverband hatte abgelehnt, den dafür notwendigen
Platz bereitzustellen. Nach der einen Version wurde der Antrag
abgelehnt, weil der verfügbare Platz (trotz der beachtlichen
Friedhofsfläche) nicht vorhanden war; nach der zweiten Version
wurde der Antrag abgelehnt, weil Frau Weil christlichen Glaubens
war.

Als Folge dieser Ablehnung kaufte Dr. Weil von der Stadt
Waibstadt eine Gelände von 14,25 Ar zum hohen Preis von einer
Goldmark je Quadratmeter. Der dort stehende
80 - 100-jährige Buchenbestand (mit Eichen) wurde 1924 abgeräumt.
Damit der Bau durchgeführt werden konnte, baute Dr. Weil eine
eigene ca. 1000 m lange Fahrstraße vom Ortssetter zum Baugelände.
45 betroffene Grundstückseigentümer verkauften zu diesem Zweck
das notwendige Gelände.

Die Baukosten dieses Objekts waren für damalige Verhältnisse
unvorstellbar hoch. Wertvollste Baustoffe wurden herangeschafft
und verarbeitet. Farbenprächtig war das Keramik-Mosaik im Innern
der Kuppel. Der Fußboden wurde mit farblich verschiedenem Marmor
intarsienartig belegt. Die Vollendung des Bauwerks wurde mit einem
großen Volksfest auf Kosten des Erbauers gefeiert. An dieses
fröhliche Fest erinnerten sich die damaligen Teilnehmer zeitlebens.

Nach dem Tod Dr. Weils und seiner Frau fanden die Urnen mit ihren
sterblichen Resten kurze Zeit eine Ruhestätte in diesem Bauwerk.
Während des Dritten Reiches wurde der Innenraum des Weil-Denkmals schwer beschädigt und die Urnen entfernt. Angehörige
eines Landschulaufenthaltes sollen dabei beteiligt gewesen sein.

1965 hat die Stadt Waibstadt von den Erben des Erbauers, die seiner-
zeit in New York und Argentinien lebten, das Bauwerk gekauft."

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