Besuch des französischen Zeitzeugen Maurice Voutey
Bericht eines ehemaligen KZ-Häftlings
Eine Lesung aus seinem Buch und anschließendes
Gespräch mit dem Zeitzeugen

Zeitpunkt: 20.10.2004 um 10.30 Uhr.
Ort: Realschule Waibstadt
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Anmerkungen zu seinem Buch von  Dorothee Roos

Im (Alb)traum gefangen

Bewegendes KZ-Erinnerungsbuch von 
Maurice Voutey liegt in deutscher Sprache vor 

„Gefangener des Unwahrscheinlichen oder Ein Traum geht ans Äußerste“. Diesen spannungsreichen Titel hat der französische Historiker und Schriftsteller Maurice Voutey (geboren 1925) für sein Erinnerungsbuch an die KZ-Haft in Deutschland gewählt. Es erschien 1995 in Frankreich und liegt jetzt in deutscher
Übersetzung vor. 
Der nüchterne Untertitel verweist auf die Orte des Leidens: „Vier Jahreszeiten in Dachau und in den Neckarlagern“. 

Fast ein Jahr hat Maurice Voutey als Neunzehnjähriger in Gefangenenschaft verbracht, neun Monate davon als (politischer) KZ-Häftling. Der Transport im Todeszug von Compiègne nach
Dachau (2. bis 5. Juli 1944) war eine Höllenfahrt: in den völlig überfüllten, von der Sonnenglut erhitzten Waggons erhielten die Gefangenen weder Essen noch Wasser – es gab mehrer Hundert Tote. Die Quarantänezeit in Dachau währte nur gut vierzehn Tage, danach wurde der Lehrerstudent ins Lager Neckarelz I (Schule) gebracht, von dort kam er nach Neckarbischofsheim, dann ins Lager Neckarelz II, schließlich nach Neckargerach. Alle dieser Lager gehörten zum Komplex der „Neckarlager“ um die Rüstungsfirma „Goldfisch“ der Daimler-Benz-AG in Obrigheim am Neckar. Sie waren Außenlager von Natzweiler-Strutthof. 
Hunger, Zwangsarbeit und Gewalt zermürbten den jungen Mann immer mehr. Ende März 1945 wurden die Neckarlager evakuiert. Doch die Fahrt endete nur 30 km weiter in Osterburken; nach drei dramatischen Tagen zwischen den Fronten kam endlich die Befreiung durch die amerikanische 6. Armee.

All diese Erlebnisse erzählt Voutey nicht chronologisch oder im Sinn eines wissenschaftlichen Berichtes. Er stellt uns vielmehr Erinnerungscluster oder –knäuel vor Augen, die sich um zentrale, aber sehr persönlich ausgewählte Themenkomplexe des Lagers geschlungen haben: Züge, Schuhe, Flugzeuge, die Küche, weiße Rüben, die (deutschen) Meister. Dieses „thematische“ Erzählen macht es leicht, dem Faden der Erinnerung zu folgen.
Voutey bekennt, sich an vieles nicht mehr genau erinnern zu können; er wagt es, sich auf die Spur seiner (Alb)träume zu begeben und berührt dabei die äußerste Grenze zwischen
Erinnern und Vergessen – eben das „Unwahrscheinliche“ der Lagererfahrung im Herzen der Finsternis. Doch gerade diese Bruchstücke stehen für die Totalität, die das Ich überwältigte.
Die Erlebnisse, die das Gedächtnis frei gibt, gewinnen so einprägsame, fast symbolische Kraft, und dem subjektiven Blick zu folgen ist oft ungeheuer spannend. Voutey reiht nicht Schrecken an Schrecken – und bewegt doch tief. Der Leser erfährt eine Menge über die Wirklichkeit der Neckarlager, jener kleinen KZs „vor der Haustür“.

Von Maurice Voutey (geb. 1925) erschienen in Frankreich mehrer wissenschaftliche Werke zur Geschichte des Nationalsozialismus sowie ein Roman. Der Autor lebt heute in Dijon. 

Seit November 2002 liegt das Buch in deutscher Sprache Übersetzung vor. Erhältlich ist es in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz (www.kz-denk-neckarelz.de) und im Buchhandel der Stadt Mosbach. Preis: € 10,- zuzüglich Versand.
Vertrieb über Dorothee Roos, Friedrich-Hölderlin-Str. 5, 74821 Mosbach, Tel. 06261/4963, Fax 06261/893973,
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