Bericht eines badischen Juden über seine Erlebnisse in Gurs.
                    (entnommen aus: Wilhelm Bauer, Sinsheimer Hefte: die ehemalige jüdische Gemeinde von Sinsheim)

"Juden des Bahnsteig Zwo: Türen schließen, Zug fährt ab. Solange ich
lebe, werden mir diese schaurigen Worte, die am Nachmittag des
22. Oktobers 1940 der Lautsprecher des Karlsruher Hauptbahnhofs hinaus-
brüllte, in den Ohren gellen. Im Zug, dem dieses Kommando galt, saß
ein Haufen entrechteter und verfolgter deutscher Juden, vorwiegend Kinder
und alte Leute...

Am Morgen dieses Tages hatten sie SA-Leute und Polizei aus ihren
Wohnungen geholt. Alles mußten sie liegen und stehen lassen, und nichts,
außer einen Handkoffer und 100 Mark durften sie mitnehmen...

Drei Tage stand und fuhr der Zug, bis er schließlich an einer kleinen
Station nahe der Pyrenäen zum Halten kam.
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                                                                     (aus: Claude Laharie: Le Camp de Gurs, 1939-1945 ,J & D Edition)

Es regnete in Strömen. Einige alte und vollkommen verlotterte offene
Lastwagen standen da. Wie das Vieh wurden wir darin offen verladen,
und in strömendem Regen ging es in rasender Fahrt zu einem Ort, der
so grauenvoll in die Geschichte der badidschen Juden eingehen und ihr
Schicksal werden sollte: 'Camp de Gurs'.
Die Ankömmlinge trieb man zunächst hinter den Stacheldraht, wo man sie
wie Vieh sich selbst überließ.

Camp de Gurs war ehedem ein großes Barackenlager, das vor Jahren von
nach Frankreich übergetretenen spanischen Soldaten erbaut wurde. ...Ein
kleiner Rest von ihnen war noch da. Sie hatten einen kleinen Teil des
Lagers für sich abgegrenzt und arbeiteten tagsüber auf dem Land für die
Bauern. Den leer gewordenen Teil des Lagers ließ man zerfallen und
verfaulen. Dieser Teil sollte der künftige Wohnsitz von Menschen werden,
die ihr eigenes Land verstoßen hatte.
gurslag1.jpg (13545 Byte)                                                                        (aus: Claude Laharie: Le Camp de Gurs, 1939-1945 ,J & D Edition)

...Durch das schadhafte Dach lief unaufhörlich der Regen. Fenster hatten
die Baracken keine, sondern nur hölzerne Klappen. Im Innern der Baracke
war nur ein verschmutzter Holzboden. Kein Stuhl, kein Tisch, nichts
Bettähnliches. Die ersten Nächte mußte man einfach auf dem Holzboden
schlafen"