Ein Neckarbischofsheimer Jude berichtete über seine Deportation nach Gurs
(entnommen aus: Wilhelm Bauer, Sinsheimer Hefte: die ehemalige jüdische Gemeinde von Sinsheim)
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"Am 22. Oktober 1940 gingen mein Bruder und seine Frau an die Bahn,
um nach Heidelberg zu fahren. Da kam ein Gendarm und sagte, sie sollten
nach Hause gehen, wir werden abtransportiert, wir müßten in einer
Stunden packen und 100 Mark mitnehmen. Um 1/2 10 Uhr kam Schäfer
mit einem Karren und holte unsere Sachen. Dann ging es aufs Rathaus,
bis wir alle beisamen waren. Um 11 Uhr kam ein Lastauto und lud uns und
unsere Sachen ein. Dann ging es nach Heidelberg. Dort standen alle herum,
bis alle Juden beisammen waren. Abends um 1/2 6 Uhr ging der Zug ab;
wir wußten nicht, wohin. Als der Zug nach Karlsruhe ging, dachten wir,
es geht nach Frankreich. In Mühlhausen bekamen wir 2 Teller Suppe. Für
die 100 Mark bekamen wir 2000 Fr, alles im Zug. Dann ging es weiter
nach Lyon... wir fuhren von Dienstag Abend bis Freitag Mittag 11 Uhr,
wo wir in Oloron bei den Pyrenäen ankamen. Dann 20 Minuten Autofahrt
nach Gurs im Lastauto bei Regen.

Es kamen ungefähr 40 Mann in die Baracke, später waren es einige weniger. Es waren da ungefähr 12 000 Menschen beisammen., aber auch noch viele Spanier.... da gab es jeden Tag 10 - 12 Beerdigungen...

Wir blieben da bis Juni 42, dann kamen wir nach Récébédou bei Toulouse..Im August 42 wurde meine Schwägerin deportiert. Max ging
freiwillig mit, da nur bis 65 Jahren fortkamen, später bis 60 Jahre, aber
es kamen deshalb noch viel ältere mit; ob solche noch leben, glaube ich kaum.
Am 6. Oktober 42 kam ich auch weg. Des Lager soll aufgelöst worden
sein; ich kam nach Nexon. Das war das Schlimmste. Da gab es Läuse
in Mengen; wer da krank wurde, den haben die Läuse gefressen. Über
die Zustände in den Lagern kann ich nicht alles schreiben; das gäbe zu
viel...."