Hetze gegen Juden
(entnommen aus regionalen Zeitungen ca 1935)
(aus: Wilhelm Bauer, Sinsheimer Hefte: die ehemalige jüdische Gemeinde von Sinsheim)

text1.jpg (22319 Byte)

Eschelbach. 21. Sept. (1935)(Gegen die Juden)
Wie viele andere Gemeinden der Umgebung hat auch Eschelbach den
Kampf gegen das Judentum aufgenommen. Durch Gemeinderatsbeschluß
ist es den Angestellten und Beamten der Gemeinde Eschelbach verboten
mit Nichtariern (Juden) zu verkehren oder mit ihnen Geschäfte zu
tätigen. Verstöße gegen diesen Beschluß werden disziplinarisch bestraft.
Aber nicht nur die Beamten sollen dieses Verbot beachten; sondern auch
diejenigen, die noch immer meinen, sie können nicht leben, wenn sie nicht
ab und zu einem vom Juden angeschmiert werden; gerade sie sollten
merken, daß es mit der Judenfrage ernst gemeint ist und man sich
dementsprechend einzurichten hat. Es könnte leicht einmal die Zeit
kommen, wo es für eine Umstellung in dieser Hinsicht zu spät ist.

text2.jpg (27564 Byte)

Neidenstein, 9. Aug. (Nehmt Euch in Acht)
Hier in unserer Gemeinde muß man immer noch die bedauerliche
Feststellung machen, daß viele Einwohner ihre Einkäufe noch bei Juden
tätigen. So wurde u. a. vor kurzem folgendes beobachtet:
Es war am Abend, als die Frau eines hiesigen Beamten, der bei einem
staatlichen Betrieb angestellt ist, wie schon so oft, einen jüdischen Laden
betrat und fast eine 3/4 Stunde (!) benötigte bis sie ihre Einkäufe und ihren
Klatsch mit der Jüdin erledigt hatte. Wie ein scheues Tier huschte sie
dann in der Dämmerung an dem stillen Beobachter vorbei, der Zeuge ihres
unverantwortlichen Handels war. - Es ist fast unglaublich, daß immer noch
nach 2 1/2 jähriger Machtübernahme durch den Nationalsozialismus
derartige Vorkommnisse festgestellt werden müssen. Mögen sich aber
solche Leute gewiß sein, daß man auf sie in Zukunft ein wachsameres
Auge haben wird und sich nicht scheut, mit ihnen zu gegebener Stunde
abzurechnen.

text3.jpg (24526 Byte)

Wollenberg, 14. Aug. (Verdächtig)
Wie wir erfahren bringt seit längerer Zeit ein Auto, Nr. IV B. 65729,
welches einem Heidelberger Judenmetzger gehört, den Juden und Jüdchen
in unserem Ort das nötige Fleisch. Dies ist an und für sich nichts
besonderes, sondern geht ganz in Ordnung, wenn das Volk aus dem
gelobten Land unter sich bleibt. Wenn aber der Kraftwagenführer des
Juden mit einem großen  Schließkorb auch die Frau eines pensionierten
Beamten aufsucht, so wirft sich unwillkürlich die Frage auf, ob diese
Frau nicht auch vom Juden ihr Fleisch bezieht und sogar in koscherer
Art und Weise. Hat diese Beamtenfrau die Zeichen der Zeit und das
Wesen und den Kampf des Nationalsozialismus so wenig verstanden,
daß sie sich  nicht entschließen kann, ihren Bedarf in einem deutschen
Geschäft zu decken. Oder bedarf es einer noch deutlicheren Warnung.

text6.jpg (75633 Byte)

Titelblatt des Stürmer vom Mai 1934