74933 Neidenstein mit virtuellem Gang durch den Ort

(aus:  Joachim Hahn: Erinnerungen und Zeugnisse
jüdischer Geschichte in Baden-Württemberg,Konrad Theis Verlag Stuttgart, 1988

Ganz besonderen Dank sei Herrn Werner Diefenbach  ausgesprochen, der zahlreiche
Materialien zur Heimatgeschichte Neidenstein bereitstellte:
u.a. Mitteilungsblatt Nr. 6 des Vereins für Kultur- u. Heimatpflege, Neidstein, Mai 1998)

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Der erste Jude in Neidenstein war wohl Jakob Gasel, der am 6.2.1654
eine Urkunde mit 7 Neidensteiner Bürgern unterschrieben hat.
Ein kurzer Überblick über die Bevölkerungsentwicklung:

Entwicklung der christlichen und  jüdischen Bürger:

Jahr Christen Juden Prozentsatz
Juden
1774 273 94 25,4 %
1792 353 129 26,8 %
1814 400 220 35,5 %
Im 18. Jahrhundert konzentrierte sich das Wohngebiet auf die Schmalgasse und den "Judenbuckel" .
Die Wohnsituation war für unsere heutigen Begriffe kaum vorstellbar.
Im Jahre 1792 besaßen die 129 jüdischen Bürger nur 8 Häuser, was
eine durchschnittliche Belegung von 16 Personen bedeutet.
Eines der ältesten jüdischen Wohnhäuser ist das Haus Bahnhofstr.5
Um die Jahrhundertwende waren ca. 29 Häuser in jüdischem Besitz.


Sehr viele Juden wanderten im 19. Jahrhundert in die USA aus.
Im Jahre 1895 waren noch 275 Juden wohnhaft, 1910 noch 118 und
im Jahre 1925 nur noch 75.

1831 Erbauung  einer Synagoge.  Sie wurde 1930 restauriert
und  dann 1938 zerstört. Kurze Zeit danach wurde sie abgerissen. Das Gebäude  stand auf dem Anwesen Grundstücks-Nr. 252, Kirchgraben 6 und wurde mit einer Scheuer und Stall überbaut.

Das gesellige Leben der Juden spielte sich außerhalb der Synagoge
auch im Gasthaus "Zum Hirsch", das sich im jüdischen Besitz befand,
statt. Dieses Gasthaus ist heute im Familienbesitz von Gustav Streib,
Bergstraße 12. Es wurde von seinem im Vater im Jahre 1920 von Raphel Jakob gekauft.

Es besteht ein Gräberverzeichnis (mit Nachtrag bis 1936)

Im Ehrenbuch der Gemeinde finden sich die Namen der beiden jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges aus Neidenstein.
Ehemalige jüdische Bürger:
Die höchste Zahl jüdischer Bewohner wird 1839 mit 254 Personen erreicht.

Die Toten wurden in Waibstadt beigesetzt.

Mindestens 19 Personen kamen in der Verfolgungszeit 1933 bis 1945 ums Leben. Drei aus Neidenstein stammende Bürger
verstarben 1941 im Lager Gurs.
Saly Wolf, geboren am 28.4. 1902 in Neidenstein, floh 1938 in
die USA und  verstarb 1999 in Kanda.

An Handels- u. Gewerbebetriebe sind bekannt:
Kolonialwarengeschäft Alfred Dührenheimer (Bahnhofstr. 31)
Mehl- u. Getreidehandlung Ludwig Mayer (Eschelbronner Str. 4)
Jüdische Gaststätte "Hirsch", Inh. Jakob Lipmann (Bergstr. 12)
Manufakturwarengeschäft Ludwig Löbmann (Kirchgraben 12)
Manufakturwarengeschäft Ida Mayer (Bergstr. 32)
Metzgerei Josef Mayer (Eschelbronner Str. 4)

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