Paul Glück 

Paul Siegfried Gluck wurde am 6.11.1899 in Waibstadt geboren, Sohn des
 Hofschneidermeisters Max Glück und seine Gattin Lina Gutmann aus Zeilitzheim,
 Unterfranken.

Paul war der zweite Sohn des Ehepaares  und kam ein Jahr später als sein 
Bruder Sally
zur Welt
.

Er war ein aufgewecktes Kind, ziemlich wild und ungezogen wie es bei 
intelligenten Kindern gelegentlich vorkommt und wurde dafür oft bestraft. 

Dann kam die Zeit, in der er zur Schule ging. Er hatte einen langen Schulweg, der ihn 
 über den Sinsheimer Weg durch den Wald nach Sinsheim führt.

Er war ein guter Schüler, zwar nicht der Beste, aber weiterhin  ungezogen
So packte er die Zöpfe der Mädchen und hängte sie ins Tintenfass. Einmal
schloss er seinen Religionslehrer ein und ging nach Hause. Als seine Mutter
davon erfuhr,  führte sie ihn unter Androhung der Peitsche zurück zur Schule
und befreite den Lehrer.

Pauls Großvater Leopold fand manchmal Ungeziefer in seinem Bett, was den „Paule“ sehr amüsierte, denn er  hatte das Getier in sein Bett getan.

Seine eigene Schrift konnte er oftmals selbst nicht lesen.

Mit ziemlicher Mühe beendete er sie Schule. Danach folgte seine
Studienzeit an der Universität in Heidelberg, Er nahm an den Vorlesungen
von Max Weber teil. 1917 wurde er einberufen und musste im Ersten 
Weltkrieg für Deutschland kämpfen. Seine Aufgabe war es, Minen zu suchen,
was sehr gefährlich war. Glücklicherweise ging 1918 der Krieg zu Ende.
Er blieb unverletzt, während sein Cousin Hermann im Gesicht schwer verwundet
wurde und der älteste Stiefsohn von Sophie Glück in Frankreich fiel.


Vor dem Krieg hat er noch kurz in Mannheim bei der Renania Schifffahrtsgesellschaft
gearbeitet. Nach dem Krieg ging er nach Holland und machte seine Lehre im
Getreidehandel . Er schickte monatlich seinen Eltern Geld aus Rotterdam  und lebte
 in einfachen Verhältnissen in einer Pension. Er aß gerne  Herringe die  in
 Rotterdam auf der Strasse angeboten  wurden

Wenn er auf Besuch nach Waibstadt kam, so brachte er Zigarren mit, die
er mit seinen Freunden teilte. Es gab in dieser Zeit wenig zu essen.

Da damals die wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa sehr schwierig waren,
entschloss sich 'Paule' nach Argentinien auszuwandern. Dies war damals
noch ein Abenteuer. Für alle Fälle nahm er zwei Schießgewehre (Mauser) mit.
Als er in Buenos Aires ankam, war er enttäuscht, keine Indianer zu sehen sondern
eine große europäisch wirkende Stadt. In der Pferdekutsche fuhr er ins Hotel
Jousten. Don Ernesto Jousten war dafür bekannt, deutsche Auswanderer in
seinem Hotel aufzunehmen.

Bereits am nächsten Tag fand Paul Arbeit in der Firma Weil Hermanos, die in der
Getreidebranche tätig war. Die Familie Weil kam aus Steinsfurt
bei Sinsheim. Die Firma gehörte zu den größten Getreide-Exporteuren in Argentinien und brauchte junge, intelligente Männer. Paul Glück war dafür geeignet, er 
hatte schon ein wenig Erfahrung.
Es kamen damals viele Süddeutsche nach Buenos Aires, die alle in der 
Getreidebranche arbeiteten. So  die Mayers, Lehmans, Hirsch, Weils, Dinkelmanns, Jacobis, Hoffmanns usw.

Paul nahm sich ein Zimmer bei Leandro N.Alem und Viamonte, wo er
 zu Miete wohnte. Ernesto Jousten borgte im eine Matratze.

1921 wechselte er zu Bunge und Born und wurde nach Tres Arroyos, was in der 
Provinz Buenos liegt, geschickt. Diese Gegend ist ein wichtiges Weizenanbau-
gebiet. Weizen war damals das Hauptprodukt des argentinischen Exportes.
Morgens um 5 Uhr fuhr er mit seinem alten Ford, einem Firmenwagen, los und
holperte auf unbefestigten Wegen zu den Estancieros (Bauern), um ihnen den
Weizen abzukaufen. 

Paul Glücks alter Ford mit Lina Glück

Da  1929  die Lage in Deutschland sehr schlecht war, holte er seine Mutter
Lina, seine Schwester Charlotte (Lotte) und sein Bruder Sally Glück, nach Buenos
Aires. Er kümmert sich auch um andere Verwandte und half ihnen bei der Einreise,
was nicht leicht war.

Paul Glück blieb 30 Jahre bis 1951 bei der Firma Bunge und Born. Inzwischen
war er Chef in der Getreideabteilung des Hauptsitzes in Buenos Aires geworden.

1942 lernte er ein bildhübsches, junges Mädchen, Tochter eines deutschen Arztes
kennen, verliebte sich und heiratete. Aus dieser Ehe stammen zwei Töchter,
Silvia Ines (die ältere) und Susana Delia (genannt Susi). Die Namen der
Kinder finden mit 'S' an zum Andenken an Sara Glück, die in Auschwitz 
umgekommen war.

1952 machte sich Paul Glück selbständig. Zunächst in Untermiete im Büro
des Herrn Dinkelman. Herr Dinkelmann hatte ebenfalls bei Weil Hermanos
gearbeitet. Damals hieß diese Firma schon Safico SA und wurde von Peter Weil
geleitet.

1959 kaufte sich Paul Glück sein eigenes Büro auf der Avenida Leandro N. Alem
und Tucuman. Es befand sich 150 m von der Getreidebörse entfernt. Dort
war Paul Glück auch als Mittelsmann tätig. 1963 begann seine Tochter Silvia
mit den Studien der Wirtschaftswissenschaften. Unter Mithilfe seiner
Tochter gründete Paul Glück zu dieser Zeit die Firma Pablo Gluck SA(AG).
Diese Firma erwarb rasch großes Ansehen.

Paul spekulierte nicht gerne. Seine Kunden mussten daher nie Verluste
auf Grund von falschen Entscheidungen tragen.

Paul besaß in Diego Gaynor ein Stück Land mit vielen Obstpflanzungen wie
Organen, Mandarinen, Feigen, Pfirsiche, Kinotos und Pomelos usw. an dem
er sehr hing.

In aller Stille und ohne großes Aufhebens half er anderen. Zum Beispiel
unterstützte er Schulen mit Geld für Milch zur Ernährung der Kinder.
Oder er half Einwanderern, dass sie eine Stellung fanden.

1967 fuhr er wieder in die Heimat zurück. Er wohnte in der Pension Harff am
Mühlberg. So lernte seine Gattin Anemie, die aus Stettin stammte, Waibstadt
kennen. Er besuchte die Gräber seiner Vorfahren, die bereits seit ca. 1800
in Waibstadt lebten und sein altes Haus in der Langestr. Ebenfalls traf er viele alte
Bekannte, die noch lebten. 

Paul starb am 8. Oktober 1978 an einem Herzschlag, zwischen Rosh Hashana
und Yom Kippur, genau wie sein Vater Max der am 3 Oktober starb, also zwischen den bedeutendsten jüdischen Feiertagen, was für einen
religiösen Juden eine Ehre ist.  Es starb ein tüchtiger, arbeitsamer Mensch und
für die Kinder der beste Vater sowie für seine Ehefrau der beste Gatte.
Sein Körper liegt im Jüdischen Friedhof von La Tablada in Buenos Aires.

Paul Glück konnte sich nicht mehr daran erfreuen, dass Susi Glück ein
Stipendium erhielt, um in Minneapolis, Minnesota studieren zu können, wo
sie mit dem Master in Economics abschloss. Silvia führte die Firma Pablo Glück SA
bis zum Jahre 1995 weiter und erhielt 1995 die Goldene Medaille für das
30jährige Firmenbestehen von der Getreidebörse in Buenos Aires.

Sein Herz hing immer an Weibstadt und an seinem geliebten Deutschland:
Er sprach häufig von den Himbeeren, den guten guten Kuchen und guten
Menschen in Waibscht.
 
Paul Glück lebt  in der Erinnerung  vieler Menschen, die ihn gerne hatten und
ehrten, weiter.

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Paul Glück war Mitglied 
der Deutsch-Argentinischen Handelskammer
des Clubs Belgrano Social
des Tempels der Libertad
des Tempels Leo Baeck (später Bnai Tikva umbenannt)
der Getreidebörse von Buenos Aires
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Silvia Glück
24.07.2001, Buenos Aires