Auf Spurensuche
 Projektarbeit an der Realschule Waibstadt

Fährt man  von Sinsheim nach Mosbach, so gelangt in man der
Höhe des Ortes Waibstadt in das Schwarzbachtal, ein liebliches
Wiesental, dessen Nordhang von Buchenwald bedeckt ist.
Nur wenige wissen, was sich hinter den Bäumen verbirgt, nämlich
der Judenfriedhof und das Mausoleum des jüdischen
Getreidegroßhändlers Dr. Hermann Weil.

Der jüdische Verbandsfriedhof auf der Gemarkung Waibstadt ist
einer der ältesten in Baden-Württemberg und damit ein
außerordentliches Erinnerungsstück vergangener  jüdischer Kultur
im nordbadischen Raum.

Als habe sich ein  Schleier des Vergessens über eine Region
gelegt, wissen die wenigsten  nach dem  2. Weltkrieg Geborenen,
dass der jüdische Bevölkerungsanteil  an manchen Orten, wie z.B.
in Neidenstein beträchtlich war. Noch im  letzten Jahrhundert
betrug er dort ca. 35 %. Die großen  Auswanderungswellen und
schließlich die Deportation sowie der vielfache  Mord an jüdischen
Bürgern während der  Nazizeit führte dazu, dass es  heute im
Kraichgau kein aktives jüdisches Leben  mehr gibt. Die
Vernichtung der  jüdischen Kultur ist ein Verlust, der den  wenigsten
bewusst ist.

Deshalb hat sich an der Realschule Waibstadt ein Gruppe,
bestehend aus Lehrer/-innenn  und Schüler/-innen, auf Spurensuche begeben

Begonnen hat das Projekt „Judentum im Kraichgau“ im Frühjahr
1999. Zeitdokumente wurden gesammelt und im Internet veröffentlicht, so dass sie für Unterrichtszwecke und jedermann zugänglich sind.

Im Rahmen der ‚Medienoffensive Schule - Innovative Schulprojekte’, erhielt diese Vorhaben vom Ministerium für Kultus und Sport eine finanzielle Förderung.

Die bisherigen Ergebnisse, die noch lange keinen Abschluss
gefunden haben, können auf der schulischen Homepage gesichtet
 werden. (http://www.rsw.hd.bw.schule.de/shal/sha0.htm)

Ein wichtiger Schwerpunkt der Projektarbeit sollen Interviews mit
Zeitzeugen sein. Das Gespräch mit Betroffenen lässt in
besonderem Maße Geschichte lebendig werden.
Die Schüler sollen in der persönlichen Begegnung mit Zeitzeugen eine
lebendige Vorstellung des menschenverachtenden und mörderischen
Nazi-Regimes erhalten und eigenständig Fragen an die Geschichte
entwickeln. Die Dramatik eines menschlichen Schicksals verdeutlicht
die wahren Dimensionen des Holocaust und vielleicht entsteht dadurch
ein emotionales Wissen, das vor Neonazi-Gedankengut schützt.

Unsere jüdischen Zeitzeugen sprachen im Geist der Versöhnung,
d.h. es gab keine kollektive Schuldzuweisung, Anklage und Haftung
gegenüber den heutigen Jugendlichen.

Wir selbst sind bereit eine Verpflichtung zu übernehmen, indem wir
"Gegen das Vergessen" eintreten.  Prof. Assmann (Ägyptologisches
Institut der Universität  Heidelberg) hat dies beim Neujahrsempfang
2001 der Stadt Heidelberg so ausgedrückt:

"Eine Gesellschaft ohne Erinnerung dürfen und wollen wir nicht
sein. Nicht das Wirtschaftswunder, nicht drei
Fußballweltmeisterschaften, nicht die Wiedervereinigung oder die Rolle
in einem vereinten Europa, sondern die Erinnerung an die Nazizeit
machen Deutschland zu einem Land, das sich in der Gemeinschaft der
Völker wieder sehen lassen darf und das auch für Juden betretbar und
für manche sogar auf Dauer bewohnbar ist. ...Viele sehen darin die
stärkste Gegenkraft gegen aufkeimende Anzeichen von Antisemitismus
und Fremdenhass..."

Wir sehen unsere Projektarbeit in einem fließenden Prozess,
der nicht dabei stehen bleibt, Geschichte aufzuarbeiten, sondern
die schulische Erziehungsarbeit mit Toleranzerziehung und einer
Öffnung für eine "Welt der Vielfalt" verbindet.

Unsere Schule suchte Kooperationen mit anderen Schulen,
die an einem ähnlichen Profil arbeiten.

Realschule Waibstadt,

Siegfried Bastl, bastl_s@web.de
Imke Köster, Koestlichkeit@gmx.de
Ingrid Rautnig