Interview mit Frau Schwob
- ein Auszug-

 Soll ich erzählen, wie es mit dem Hitler war? Und das war natürlich schlimm. Wir haben das alles am Radio mitbekommen.
Wie das gegangen ist?  In der Schule war es zuerst ganz normal.  Und die Lehrer waren sehr nett mit mir, bis eines Tages, kam der eine Lehrer weg. Der war gegen  die Nazis. Die Deutschstunden waren ganz schlimm. Ich war meistens gut, in der Grammatik besonders war ich besonders  gut. Aber als die Aufsätze kamen. "Blut und Boden." hieß zum Beispiel ein Thema. oder "Warum Hitler die Juden  braucht." Und den Lehrer, den wir in Deutsch hatten, der erzählte uns von Schlachten. Einmal sagte er uns wörtlich, das habe ich nicht vergessen: "Wie herrlich ist es in der Schlacht zu sein, wenn das Blut spritzt.". Das ist unglaublich, das ein junger Lehrer, ich weiß noch den Namen, Treiber hieß er, der hat das erzählt.
Wie gesagt, der Französischlehrer kam weg. Dann war noch ein Lehrer, der hieß von Reiche.
Das war ein Adliger wahrscheinlich, ein feiner Mensch. Der kam dann in die Schule mit der Uniform. 

Und dann kam der schreckliche Tag, an dem plötzlich niemand mehr neben mir sitzen wollte. Und da war ich ein junges Mädchen, da hat man Freundinnen nötig , so als junges Mädchen. Das war das Allerschlimmste, das ich erlebt hatte, weil ich hatte nachher enormes Glück, dass wir überhaupt am Leben geblieben sind, meine Eltern und ich.
Und das war wie wenn ich eine schlimme Krankheit hätte. Es wollte niemand mehr neben mir sitzen. Eine Schülerin in der Klasse, die war schon lange da, beeinflusst von der BDM`(Bund deutscher Mädchen). Und da hat sie gesagt, wenn sich jemand zu mir
setzt oder mich von zu Hause abholt,  dann wird mein Vater die Stelle verlieren.

Meine beste Freundin, der Vater war Zeichenlehrer, in Plankstadt, die durfte mich nicht mehr abholen. Also das war ganz schlimm. Und dieser Lehrer in Uniform sagte, als er das gesehen hatte: "Ach, das ist aber feige. Alle gegen einen. " In Uniform sagte er das. Also eigentlich, von den Lehrern habe ich nichts Schlimmes erfahren. Aber die Schüler, durch diese eine, die die anderen beeinflusst hat. Und dann ging ich jeden Tag wieder zur Schule und das war ganz schlimm. Meine Eltern sagten, das Mädchen wird uns krank, wenn die weiter so macht. Ich konnte nicht mehr essen. Ich konnte nicht mehr schlafen.

Und dann sagten sie. Wenn möglich, möchten wir sie weg tun aus der Schule. Das war ich in der Obertertia, also 9. Klasse.
.Dann bekam ich ein Abschlusszeugnis. Und in Deutsch eine 3.Das war wegen dieser Aufsätze, die ich wahrscheinlich nicht sehr gut gemacht hatte. Und dann kam ich nach Lausanne ins Pensionat, in die Schweiz, ein Jahr lang und das
war eigentlich das Ende. Und was ich nachher erfahren habe, ist auch noch etwas Interessantes.
Ich konnte ziemlich gut zeichnen. Und die haben immer am Ende des Jahres die
Zeichnungen ausgestellt und da haben die den Namen, das hat eine verraten, von mir einfach verbessert und einfach einen anderen Namen hingeschrieben. Also eine Kleinigkeit.

Antwortschreiben von Frau Schwob am 16.06.01

"Bis lange nach meines Vaters Tod im Jahre l949,  blieb mir von
Deutschland nur die hässliche Erinnerung, über die man lieber gar nicht
sprach und die man vom Gedächtnis auszulöschen versuchte. Und dann wurde mir das Glück zuteil, Deutsche der jüngeren Generation zu erleben, durch welche für mein Geburtsland fast wieder so etwas wie ein
Heimatgefühl aufkommt. Jedenfalls sind wir, meine Tochter und ich, seit
dem Besuch in Ihrer Schule und bei unseren lieben Freunden Beisel wieder um eine schöne Erinnerung reicher. Ihr alle brachtet uns Sympathie und Wärme entgegen, und dafür danken wir Euch."