13.10.98
Sehr geehrter Herr Zimmermann
Obwohl ich Ihren Vortrag im Grundkurs Geschichte nun schon zum 2. Mal gehört
habe, muss ich Ihnen unbedingt sagen, dass Sie es erneut geschafft haben, mich in
Ihrem Bann zu ziehen.
Sie haben eine einmalige Erzählgabe!
Nach dem Vortrag haben Sie uns die Frage gestellt, was wir von Ihren Erzählungen
und den Vorkommnissen halten. Das Erschrecken über die Antwort, man müsste
irgend wann einmal einen Schlussstrich ziehen, 2er Kursteilnehmer war Ihnen
sichtlich ins Gesicht geschrieben. Ich persönlich war darüber auch sehr erschrocken,
denn das Abhaken bedeutet Vergessen. Diese Antwort war sehr unüberlegt und
ich möchte Ihnen hiermit mit Nachdruck sagen, dass sie auf keinen Fall der Spiegel
der allgemeinen Denkweise der Jugend über diese schlimmen Geschehnisse ist.
Im Gegenteil, ich bin der Überzeugung, dass diese Denkweise eine Ausnahme
darstellt. Wir, die Jugendlichen, können nichts dafür, was damals mit den Juden
angerichtet wurde, aber es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass so etwas
Schreckliches in unserer Zeit niemals wiederholt wird. Und wie soll man etwas
verhindern, wenn man die möglichen Folgen nicht kennt. Wie kann man ohne
Wissen um die Vorkommnisse Schlüsse und Lehren ziehen? Darum finde ich es
so eminent wichtig, dass die Jugendlichen immer und immer wieder vor Augen
geführt bekommen, was damals passiert ist!
Behalten Sie bitte nicht nur die Antwort dieser 2 Jugendlichen im Gedächtnis,
sondern auch die Betroffenheit und Nachdenklichkeit von uns anderen.
Lassen Sie sich von so etwas nicht entmutigen weiter Vorträge zu halten.
Machen Sie so weiter!
Mit freundlichen Grüßen
Ihr R.G.