Lieber Herr Zimmermann
Ich habe keine Ahnung, wie ich diesen Brief anfangen soll, mir schwirrt so vieles
im Kopf herum... morgen schreibe ich eine Lateinarbeit, aber ich kann mich beim
Lernen nicht konzentrieren. Ihr Vortrag lässt mich einfach nicht mehr los. Sie haben
die Situation so gefühlvoll geschildert.... es hat mich einfach gefesselt. Ich weiß
nicht, wie ich das in Worte fassen soll.. es war traurig und so grausam und ich
musste, während sie gesprochen haben, ein paar Mal mit Tränen kämpfen und
sie zurückhalten. Ich meine, die Vorstellung von dem Leid während des Krieges;
von der Grausamkeit und Brutalität der KZ's und Auschwitz und das Menschen
vergast, beim lebendigen Leib verbrannt wurden,.....es hat mir einfach weh getan
und als ich zu Hause ankam lag mir ein schwer Kloß im Hals und ein Druck auf
der Brust.
Der Krieg hat doch niemanden etwas gebracht, im Gegenteil. Krieg zerstört
Familien, Menschen sterben sinnlos. Ich verstehe nicht, wie so viele einfach
nur dastanden und zuguckten, nichts taten. Wie konnten Menschen über Menschen
bestimmen, dass ihre Religionen falsch seien oder nur weil sie behindert oder
homosexuell seien, seien sie des Leben nicht würdig. Die Vorstellung davon, dass
ein Mann, ein Psychopath, Schuld am Tot von 6.000.000 Juden sein soll, macht
mich krank, dieser Mann macht mich krank.
Ich habe gelesen, dass der 2 WK mehr als 55.000.000 Menschen das Leben
gekostet hat von 1935 - 1945. Das ist einfach nicht vorstellbar.
Für viele Jugendliche ist der 2. WK einfach nur ein Teil des Lernstoffes und
"Geschichte", Vergangenheit. Alle danken, das so etwas nie wieder passieren
wird. Doch haben Sie das Buch "The wave" von Morton Rhue gelesen?
Wir haben es gerade in Englisch als Lektüre durchgenommen, und es hat mir
zu denken gegeben. Vielleicht lesen Sie es auch mal. Deutschen Schülern geht
es vielleicht näher als amerikanischen, denn es ist ein dunkles Kapitel in der
Geschichte ihres Landes, doch ihr Vortrag verdeutlicht die Situation noch mehr
als in der  Schule. In der Schule bringen uns die Lehrer nur Fakten bei und zeigen
uns nicht wie sich Menschen damals gefühlt haben. In der Schule wird der 
2. WK auch verharmlost, hab ich so das Gefühl. Wir reden über die Kristallnacht
aber es wird nicht verdeutlicht wie sich die Menschen damals fühlten und wie sie
die Situation empfanden, wie viele Menschen starben. Ihr Vortrag bringt alles viel
näher. Ich weiß nicht, ob ich so viel Kraft hätten, einen so schrecklichen Teil
meines Lebens vor Klassen zu schildern. Sie sind wirklich stark. Ich selbst komme
aus Polen und habe von meinen Großeltern nicht sehr viel erfahren können über den
2. WK, denn sie starben früh. .
Und eines werde ich Ihnen versprechen: Wenn, und ich hoffe, dass es nie
geschehen wird und Gott eine solche Katastrophe niemals zulässt, sich so etwas
wiederholen sollte, werde ich nicht zusehen, nein, ich werde es nicht einmal
zulassen, dass es so weit kommt, egal ob es für mich gefährlich werden würde.
Das verspreche ich Ihnen hoch und heilig, das bin ich Ihnen einfach schuldig, als
Dank für den tollen, traurigen Vortrag, der mich so bewegt hat, und ich halte
mein Versprechen.!

M.P.

P.S: Die Zukunft liegt nun in unseren Händen und ich hoffe, dass wir es besser
machen als so ein Adolf Hitler, .... da bin ich mir sogar sicher, dass wir es besser
machen.